Liebe Insieme-Familie
Liebe Freunde und weitere Gäste
Frage: Was wäre, wenn es Insieme nicht gäbe? Es würde gewiss vieles auch
ohne uns funktionieren, vielleicht einiges sogar nur zu gut, weil niemand
da wäre, der auch einmal Sand ins Getriebe streut.
Beispiel: In der letzten Septembersession des Nationalrates, als alle Welt nur
vom bedauernswerten Bundesrat Schmid sprach, von der Affäre um den
Korpskommandanten Näf, von den ersten Konturen der Finanzkrise , spielte sich, von
der Öffentlichkeit kaum bemerkt, in Bern Folgendes ab:
Es lag ein abstimmungsreifer Verfassungsartikel zur „Forschung am
Menschen“ vor, an dem Insieme CH massgeblich mitgewirkt hat. Darin wurde
mit besonderer Sorgfalt den Schutzbedürfnissen von urteilsunfähigen Menschen,
also Menschen mit einer geistigen Behinderung, Rechnung getragen.
Im parlamentarischen Abstimmungs-Schlussspurt gelang es einer Lobby, so
„husch husch“, zum Wohle des Forschungsplatzes Schweiz, die Schutzbestimmungen
in Form einer sogenannten Kompetenznorm auf ein späteres Gesetz
zu verschieben. Kurz gesagt, dem Verfassungsartikel wurden wesentliche
Zähne gezogen. Und nirgends eine Zeitungsmeldung über diese Zahnlücke!
Insieme aber intervenierte, und nahm u.a. Kontakt zur zuständigen
Ständeratskommissionauf. Der Ständerat, beeindruckt von den Argumenten, stimmte
in der Dezembersession dem leicht überarbeiteten, ursprünglichen Verfassungsartikel
zu. Die Vorlage ging wieder zurück an den Nationalrat, zur Differenzbereinigung,
und Mitte März, genau vor 8 Wochen, hat man einen ethisch
sauberen Kompromiss gefunden: Medizinische und biologische
Forschungsprojekte dürfen an behinderten Menschen nur dann
betrieben werden, wenn sie ihnen einen unmittelbaren Nutzen
bringen könnten, oder allgemeine Risiken und Belastungen absolut
minimal sind. Nach Möglichkeit sollen nur urteilsfähige Personen
in ein Projekt einbezogen werden, und Widerstand, auch gefühlsmässiger,
muss respektiert werden.
Niemand hat mehr zu befürchten, dass Forschung an unsern Behinderten in
irgend einer Grauzone stattfinden wird. Dies ist nicht ein Sieg von Insieme,
sondern ein Sieg des Anstandes, aber Insieme konnte ihm zum Durchbruch
verhelfen.
Ich fange meinen Jahresbericht also mit hoher Politik an, um aufzuzeigen, wo ein
Schwerpunkt unserer Arbeit liegt. „Vernetzung“ war an der GV 2006 ein
wichtiger Programmpunkt. Ziel war und bleibt, Verbindung mit kompetenten
Stellen zu haben, informiert zu sein, Einfluss nehmen zu können, wo es möglich
ist, Gedankenaustausch mit befreundeten Organisationen zu pflegen, gemeinsam
für etwas einzustehen und von andern etwas zu lernen... Alles vor dem
Hintergrund, die Lebensqualität von unseren behinderten Angehörigen
zu sichern und ihre Selbständigkeit oder ihren Schutz zu verbessern.
So dürfen wir heute sagen, dass wir mit der MBF, der HPS, mit PRO INFIRMIS,
mit allen Aargauischen Insieme-Sektionen, mit Insieme CH, mit zuständigen Stellen
im Departement BKS in Aarau, mit Plusport, und im Rahmen der KABO mit
andern Behinderten-Organisationen in regelmässigem Kontakt stehen und
dauernd am Lernen sind. Auch wenn dies oft reine Knochenarbeit ist, sind sich
meine Vorstandskolleginnen und Kollegen, wie auch mehrere Vereinsmitglieder,
nicht zu schade, in diesen sozialpolitischen und rechtlichen Bereichen immer
wieder in die „Hosen“ zu steigen. Die Vernetzung funktioniert, wir sind
informiert und handeln aktuell. Salopp gesagt, uns macht man kein X für
ein U vor. Dafür allen Akteuren ein herzliches Dankeschön.
Im Alltag unseres Vereines stehen logischerweise andere Ereignisse im
Vordergrund. So dürfen wir zufrieden Rückschau halten und vermelden,
dass sämtliche Programm-Anlässe erfolgreich und in bester Stimmung
durchgeführt werden konnten. Darüber werden im Laufe dieses Traktandums
noch einige Ressortleiterinnen - und Leiter ein paar Worte verlieren. Zudem
durften wir, als Spontanaktion, auch einen sehr informativen und schönen
Nachhol-Dank-Anlass in der neuerbauten oder renovierten HPS erleben...
Was voll eingeschlagen hat, ist das reichhaltige Freizeit-Angebot für unsere
Jugend, worüber wir im Laufe des Abends noch viel Erfreuliches erfahren
werden. Seit Januar hängt übrigens in der HPS ein wunderschönes weisses
Anschlagbrett, gefertigt in der MBF, wo Eltern, Lehrer und Schüler sich dauernd
über unsere Aktivitäten orientieren können. Ein zweites Highlight ist der
Betrieb unserer Homepage. Den „DJ“ dieser Homepage, Steven Greub,
werdet ihr heute ebenfalls besser kennen lernen.
Es bleibt mir zu danken: Zuerst euch allen, die ihr an Anlässen teilnehmt
und euer Interesse und eure Solidarität bekundet, allen, welche bei
Verkaufsaktionen zu unserem finanziellen Erfolg beitragen, d.h. den
unersetzlichen Vereinsmitgliedern und den vielen treuen externen Helferinnen,...
den Gemeinden Rheinfelden, Möhlin und Zeiningen, welche uns mit ihrer
Infrastruktur mannigfaltig unterstützen, den vielen neuen, begeisterten und
kompetenten Leiterinnen und Helfern im Rahmen der Freizeitaktionen Fambiki,
4 Jahreszeiten, Rhythmuskurs, Eiskunstlaufen und Aerobic, unsern vielen Spendern
und Gönnern, unserem liebgewonnenen (ich möchte sagen)
„“Trägerverein““ aus Rheinfelden, dem Gemeinnützigen Frauenverein,
welcher uns seit Marlène Schürchs Zeiten mit einer Gesamtsumme von
über Fr 25'000.- unterstützt hat, und neu dazugekommen, dem Kiwanis-
Club aus Rheinfelden, welcher uns für mehrere Jahre die ganze neue
Jugendarbeit finanziell trägt und vertraglich ein Engagement von Fr
18’000.- eingegangen ist. Zusätzlich arbeiten einige Kiwaner bei gewissen
Anlässen als Helfer und Hüter mit. Dem Frauenverein und dem Kiwanisclub zum
Dank einen herzlichen Applaus.
Einen speziellen Dank möchte ich auch einmal an die engagierten Leiter und
Leiterinnen des Behindertensports richten, sowie an die Gruppe Freizeit in der
MBF. Sie alle bereichern auf völlig freiwilliger Basis den Alltag unserer
Angehörigen mit einer Behinderung.
Ein Dank der Leitung der MBF selber, mit der wir seit vielen Jahren eine
sehr offene Zusammenarbeit pflegen können, aber auch Gratulation und
Anerkennung für ihr Wirken im Bereich „Theater“. Wir erlebten kürzlich ein
mitreissendes und tiefsinniges Theaterprojekt von höchster Qualität.
Ein besonderer Dank an meine Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, an Marlis,
Eva, Pilar, Judith, Herbert und Otto. Seit Jahren darf ich uns Vorstandsmitglieder
über den grünen Klee loben und bleibe auch dieses Jahr dabei. Es ist spannend
und anregend, wie ihr euch einsetzt, diskutiert, immer wieder neue
Ideen bringt, und hoffentlich noch lange dabei bleibt.
Ich wünsche uns allen einen guten Verlauf dieser GV.
Heinz Meier, Präsident Insieme Rhf.
Notizen zu Traktandum 8
Ausblick auf das neue Vereinsjahr
- Einweihung des Raumes für Bewegung in der MBF (Herbst 2010)
- Mithilfe bei der Erarbeitung eines „Bewegungskonzeptes“ für den Raum und die MBF
(ab Januar 2010)
- Plattform schaffen für 50-Jahr Insieme-Jubiläum 2010 am Openair-Filmvestival 2010
in Rheinfelden
- Einsatz bei der Abstimmungskampagne zur IV-Zusatzfinanzierung vom 27. Sept. 2009
Orientierungsversammlung in der MBF
Versuch, ein Überparteiliches Komitee zu bilden
Einbezug von andern Behindertenorganisationen im Fricktal
Gemeinsamer Auftritt von Insieme Rheinf. Und Insieme Frick
Standaktionen, Flyer, Inserate, Plakate etc.
Für uns ist es klar, dass wir uns engagieren wollen, ebenso klar ist aber, dass wir unsere
behinderten Angehörigen nicht für eine Abstimmung instrumentalisieren werden. Wir
arbeiten mit der KABO zusammen, und mit allen, welche uns mit Tipps und Infrastruktur
helfen können. Die weiteren schritte werden im Mitteilungsblatt von Anfangs August
bekanntgegeben, und immer auch aktuell auf der Homepage.
p.s. Ein Dankeschön an Hans Zemp, welcher einen vorzüglichen Bericht über unsere GV in
verschiedenen Presseerzeugnissen publiziert hat.
|
|